Spielzeugmuseum Bad Kissingen

02.03.2010 15:49

Illustration: Schaukelpferd

Der Leidenschaft der Kissingerin Hilla Schütze ist es zu verdanken, dass mit Unterstützung der Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld jetzt der Startschuss für ein neues Spielzeugmuseum gegeben werden konnte. Seit über 20 Jahren sammelt sie Spielzeuge und Kinderbücher. Angefangen hat alles mit einem weißen Pferd, mit dem schon ihr Vater spielte und das die Zeiten unversehrt überstanden hat.

Vergessene Tradition

Ende des 19. Jahrhunderts florierte das Geschäft mit Spielwaren als Souvenier für die Kurgäste. Doch die Blüte der Rhöner Spielwarenproduktion und Holzschnitzerei war nur kurz, und geriet darauf fast völlig in Vergessenheit, auch in örtlichen Chroniken war nichts davon erwähnt.

Diese kurze Blütezeit ist Friedrich Meinel zu verdanken, der 1877 aus dem Erzgebirge, bekannt für seine lange, bis heute dauernde Holzschnitzertradition, nach Bad Kissingen kam. Er vergrößerte das von seinem Schwiegervater übernommene Geschäft und gründete eine Holzschnitz-Schule im nahen Sandberg. Für die damals rückständige und arme Rhön war das ein Segen, viele Familien fanden dadurch ein gutes Einkommen und das Geschäft mit aus Espenholz gefertigten Holzspielzeugen lief gut.

Spielwaren aus dieser Produktion wurden seinerzeit vielfach ausgezeichnet, z.B. schon 1882 bei der 1. Bayerischen Landes-Industrie-Gewerbe- und Kunstausstellung in Nürnberg. Schnell wird die Produktion von Trachtenpuppen und Holztieren das Hauptaugenmerk von Friedrich Meinel. Auch das weiße Pferd von Hilla Schütze stammt aus Sandberg.

Wie lange das Geschäft nach dem Tode Friedrich Meinels 1911 noch weiterbetrieben wurde, ist nicht überliefert, doch schon zwei Jahre später gab es nur noch wenig Holzschnitzer-Heimarbeit. Da das Geschäft nach dem Krieg nicht wieder aufgenommen wurde, geriet Friedrich Meinel und die kurze Holzschnitztradition der Rhön in Vergessenheit.

Wiederbelebte Geschichte und lebendige Gegenwart

Im Laufe der Zeit ist Hilla Schützes Sammlung auf etwa 7000 Objekte angewachsen, von der ein Teil jetzt im künftigen Spielzeugmuseum beim Museum Obere Saline in Bad Kissingen ausgestellt werden wird. Sie hat nicht nur ihre Sammlung, sondern auch vielerlei Material zur Verfügung gestellt, das sie in jahrzehntelanger Recherchearbeit zusammengetragen hat. Für die Sammlerin Hilla Schütze ging mit der Gründung des Museums schließlich auch ein Traum in Erfüllung. Eröffnung wird aber frühestens 2012 gefeiert, bis dahin bleibt noch viel Arbeit. Ein Schwerpunkt werden früher in der Rhön produzierte Spielwaren sein. Am ehemaligen Produktionsstandort Sandberg ist eine Außenstelle geplant.

Für Bad Kissingen wird die Eröffnung des Museums eine weitere touristische und kulturelle Attraktion sein. Das Spielzeugmuseum soll vor allem Kinder einladen, sich selbst zu beteiligen. Im Konzept sind Spielecken und Lesekojen vorgesehen. Der Ausstellungsbereich wird durch eine Werkstatt ergänzt, in der Kinder und ihre Eltern aktiv Holzspielzeuge wie Hampelmänner oder Schiffe basteln können. Ebenfalls sind Workshops für Erwachsene geplant, die in Holzschnitzerei, z.B. das Krippenbauen, einführen.

Mit einer Renaissance der Holzschnitzkunst in der Rhön ist kurzfristig zwar nicht zu rechnen, aber für Liebhaber von traditionellem Holzspielzeug wird es viel zu entdecken geben. Mit Erstaunen wird man auch feststellen können, wie viele Spielideen die Zeiten überdauert haben und auch heute noch in Kinderzimmern zu finden sind.

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